Am Samstag, 09. Februar 2019, fand in der Kahler Festhalle eine ganztägige Fortbildungsveranstaltung für die Feuerwehrführungskräfte des Landkreises Aschaffenburg statt. 

Kreisbrandinspektor Frank Wissel und der für die Ausbildung zuständige Kreisbrandmeister Thilo Happ konnten rund 200 Feuerwehrleute aus dem Landkreis willkommen heißen.

Der Kahler Bürgermeister Jürgen Seitz begrüßte die Anwesenden in der Kahler Festhalle und sprach einen Willkommensgruß aus. Weiterhin wünschte er der Veranstaltung viel Erfolg und einen guten Verlauf. 

Kreisbrandmeister (KBM) Happ und sein Team hatten auch in diesem Jahr ein interessantes Tagesprogramm für die Teilnehmer ausgearbeitet.

Brandinspektor Michael Bauecker stellte in seinem Vortrag die Brandschutzdienststelle, die Aufgaben und die Erreichbarkeiten des Landratsamtes Aschaffenburg vor. Bauecker legte großen Wert darauf, dass zukünftig bei Fragestellungen von Fachplanern, Architekten oder Bauherren zu bauaufsichtlich geforderten Maßnahmen im baulichen Brandschutz immer an die Brandschutzdienststelle des Landratsamtes Aschaffenburg verwiesen wird. Zuletzt sprach der Referent den Lehrgang „Vorbeugender Brandschutz – Fachwissen für den Einsatzleiter“ an den Staatlichen Feuerwehrschulen an.  

Unter dem Arbeitstitel „Drohnen im Einsatz“ referierte der Kommandant der Feuerwehr Karlstein Andreas Emge unterstützt im technischen und praktischen Teil durch den Leiter der Sonder-Einsatz-Gruppe Drohne Niklas Holthusen. Zuerst wurde die Entwicklung in Sachen Drohnen im Feuerwehrdienst  im Landkreis Aschaffenburg dargestellt. Untermauert wurde das ganze Thema im Anschluss mit einigen Bildern und Videos, aus den Jahren 2015 bis heute, von realen Einsätzen und Ausbildungen. Es folgte der aktuelle Sachstand in Form von Ausstattung und Konzepten sowie Hinweise zur vorhandenen Technik und Taktik. Den Abschluss bildete eine Vorführung im Freien mit Live-Übertragung der Bilder auf Großleinwand in die Halle. Somit konnten sich alle anwesenden Kameraden vom Einsatzwert einer Drohne in Echtzeit überzeugen.

In seinem Vortrag stellte KBM Hock das ABC-Konzept des Landkreis Aschaffenburg vor. Er begann mit den Grundlagen aus der FwDV 500 und ging über einen möglichen Ablauf eines Gefahrstoff-Einsatzes zur Aufgabenverteilung über. Hock legte Wert darauf, dass jede Wehr ob mit oder ohne ABC-Sonderausrüstung die ersten Tätigkeiten einleiten soll. Als Hilfe dabei kann die sogenannte GAMS Regel zur Anwendung kommen. Im zweiten Teil seines Vortrages stellte er die Einheiten und Gerätschaften vor, welche weiter zum Einsatz kommen können. Dies sind die Komponenten der Gefahrenabwehr und Dekontamination, welche speziell für Einsätze mit Gefahrstoffen ab einem definierten Ausmaß als Bestandteil des Moduls GEFAHRGUTZUG alarmiert werden. Die weiteren vorgestellten Komponenten Mess- und Probenahme und Warnen kommen nur auf Anforderung des Einsatzleiters zum Einsatz.

Herr Dr. Rolf Erbe von der Berliner Feuerwehr berichtete über den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Die Berliner Feuerwehr wurde am 19.12.2016 um kurz nach 20 Uhr zum Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz nach Berlin-Charlottenburg alarmiert. Während man zuerst von einem Verkehrsunfall ausging, meldeten sich zahlreiche Anrufer und schilderten, dass ein LKW in die Marktfläche fuhr und dabei mehrere Besucher schwer verletzte. Insgesamt wurden 12 Personen so schwer verletzt, dass sie verstarben. 57 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Herr Erbe vom BFRA der Berliner Feuerwehr, verantwortlich für die Ausbildung MANV, Sonderlagen und Führungslehre wurde kurz nach dem Anschlag alarmiert. In seinem Vortrag ging es nicht nur um den Einsatzablauf, seine Eindrücke, die Stärken und Schwächen des Einsatzes, sondern auch um die verschiedenen Konzepte und Arbeitsweisen.

Nach der Mittagspause konnte Dr. Rolf Erbe erneut von KBM Thilo Happ am Rednerpult begrüßt werden. Der Brandoberamtsrat hatte sich weiterhin bereiterklärt über das Thema „Neue Medien – Fluch oder Segen?“ zu sprechen.  Wir als Feuerwehr müssen die Medien als Partner und Chance in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sehen. Kooperieren statt konfrontieren wäre hier ein Weg für eine gute Zusammenarbeit mit den Medien. Mit den sozialen Medien wird live und zeitnah  von den Einsatzstellen berichtet.  Hier ist oft die Gefahr von ungefilterten Falschmeldungen gegeben, daher muss die Feuerwehr auch hier vertreten sein um vor die Lage zu kommen. Selbstredend sollten nur fundierte und bestätigte Meldungen von den dazu beauftragten Personen veröffentlicht werden.  Eine Veröffentlichung muss ggf. mit am Einsatz beteiligten BOS-Organisationen abgestimmt werden. Schlimmstenfalls wäre es hier möglich, dass  Angehörige von Unfallbeteiligten über das Unfallgeschehen informiert oder Täterwissen über unsere Plattformen verbreitet werden.  Anschließend gab der Referent noch nützliche Tipps zu Facebookauftritten insbesondere zur Bildauswahl. Auch wie die Feuerwehr Berlin mit Kommentaren auf deren Seiten umgeht wurde von Dr. Erbe  abschließend beleuchtet. 

Kriminalhauptmeister Stefan Hofer von der Kriminalpolizei Aschaffenburg ging in seinem Vortrag auf die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der Feuerwehr in der Brandursachenermittlung ein. Er appellierte an die Feuerwehr „spurenschonend“ zu arbeiten. Notwendige Veränderungen an der Einsatzstelle sollten im Idealfall per Foto bzw. handschriftlich dokumentiert werden und den Polizeibeamten übergeben werden. Zuletzt dankte Hofer für die bereits gelebte gute Kooperation und stand dem Publikum für offene Fragen zur Verfügung.

Am Ende eines informativen Tages bedankte sich Kreisbrandinspektor Frank Wissel bei allen Referenten für die interessanten Ausführungen, bei Thilo Happ und seinem Team für die Vorbereitung, bei der Feuerwehr Kahl für die Bewirtung sowie bei der Gemeinde Kahl für die Zurverfügungstellung der Räumlichkeiten und bei allen Teilnehmern der Winterschulung für ihr Kommen. Weiterhin wünschte er allen einen guten Nachhauseweg und ein schönes einsatzfreies Restwochenende.